Katholische Kirche Amriswil beteiligt sich an der RED WEEK –
einer Gebetswoche für verfolgte Christinnen und Christen
vom 14. bis 22. November 2026
Vielleicht haben Sie sich im vergangenen November gefragt, was es mit dem roten Licht an unserer Kirche auf sich hat. Auch 2025 leuchtete unsere Kirche in Amriswil innen und aussen in kräftigem Rot. Manch ein Passant blieb stehen, schaute irritiert und schüttelte vielleicht den Kopf. Nein – Amriswil ist kein Rotlicht-Milieu. Das rote Licht war ein Zeichen, um auf Menschen aufmerksam zu machen, auf weltweit rund 350 Millionen Christinnen und Christen, die wegen ihres Glaubens diskriminiert, bedrängt oder verfolgt werden. Menschen, die nicht selbstverständlich eine Kirche betreten, einen Gottesdienst besuchen oder ihren Glauben frei leben können. Deshalb beteiligt sich die Katholische Kirche Amriswil auch in diesem Jahr an der RED WEEK, einer internationalen Gebetswoche für bedrängte und verfolgte Christen. Das Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) ruft jedes Jahr im November dazu auf, diese Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – ihnen Aufmerksamkeit zu schenken und vor allem für sie zu beten. Die Aktion wurde erstmals 2015 lanciert.
Eine Begegnung, die mich nicht mehr losliess.
Im vergangenen Frühjahr war ich auf dem Flughafen in Rom. Während eines Transfers kam ich mit einer afrikanischen Ordensschwester ins Gespräch. Sie lebte in Rom, erzählte mir aber, dass sie ihre Familie zu Hause in Nigeria besuchen gehe. Nigeria – ein Land, in dem Christen vielerorts unter schwerer Verfolgung leiden. Besonders erschütternd sind die Nachrichten über die radikal-islamistische Terrorgruppe Boko Haram. Immer wieder werden Menschen ermordet, Dörfer überfallen und ganze Gemeinschaften ausgelöscht. Ich fragte die Schwester, ob sie keine Angst habe. Was mich beeindruckte, war ihre Antwort. Sie erzählte mir von ihrem Glauben und davon, dass die Christen dort trotz aller Bedrohung an Christus festhielten und sich zum gemeinsamen Gebet und Hl. Messe treffen würden. Ihr Glaube sei sehr stark. Sie wollte für zwei Wochen zu ihrer Familie reisen – genau in jene Gegend, in der die Menschen besonders stark bedrängt wurden. Sie wollte bei ihrer Familie sein, sie unterstützen und sie im Glauben stärken. Das berührte mich sehr. Wir verabschiedeten uns. Ich wünschte ihr Gottes Segen. Einige Zeit später hörte ich erneut von schweren Angriffen durch Boko Haram. Wieder waren Menschen ermordet und Dörfer ausgelöscht worden. Und ich musste unweigerlich an diese Schwester denken. Was wohl aus ihr geworden ist? Ich kenne die Antwort bis heute nicht. Aber ihre Worte sind mir geblieben: Sie haben einen starken Glauben.
Eine offene Tür
Vielleicht macht uns die rote Beleuchtung unserer Kirche für einen Moment nachdenklich. Vielleicht ist sie genau das: ein Türöffner.
Denn während andere Christen ihre Kirchen aus Angst nicht betreten können, steht unsere Kirchentür offen. Wir dürfen hineingehen. Wir dürfen beten, alleine oder in Gemeinschaft. Wir dürfen Gottesdienst feiern und die Sakramente empfangen. Wir dürfen unseren Glauben frei leben. - Das ist keine Selbstverständlichkeit. Und vielleicht lädt uns diese offene Kirchentür zu noch etwas Grösserem ein: nicht nur durch die Tür eines Kirchengebäudes zu gehen, sondern die Tür unseres eigenen Herzens für Gott zu öffnen. Christus wartet nicht irgendwo fern von uns. Er lädt uns ein, ihm zu begegnen – mit unseren Fragen, unserer Freude, unserer Angst und unserer Hoffnung. Sein Herz steht immer für uns offen. Mit dem 1. Adventssonntag beginnt ein neues Kirchenjahr. Vielleicht wäre das ein guter Vorsatz für diese neue Zeit: Eine Tür öffnen. - Die Tür unserer Kirche? Die Tür zum Gebet für verfolgte Christinnen und Christen. Und vielleicht ganz persönlich: die Tür unseres Herzens für Christus.
Beten wir in der RED WEEK vom 14. bis 22. November für unsere Schwestern und Brüder, die wegen ihres Glaubens leiden. Und wenn Sie an unserer rot beleuchteten Kirche vorbeikommen, dann sehen Sie vielleicht nicht einfach nur rotes Licht. Sie sehen eine Türe, die für Sie offensteht. Eine Einladung, hinzuschauen. Eine Einladung, zu beten. Eine Einladung, den eigenen Glauben neu zu entdecken.
Herzlich willkommen!
Stephanie Schildknecht